Das Leipziger Energieunternehmen VNG AG, sowie dessen hundertprozentige Gashandelstochter VNG Handel & Vertrieb GmbH (VNG H&V) und das niederländische Wasserstoffunternehmen HyCC planen gemeinsam einen Elektrolyseur zur Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) zu errichten.
Perspektivisch soll der Wasserstoff die Industrie vor Ort dabei unterstützen, ihre Emission zu senken und sich damit zukunftsfähiger aufzustellen. Das gaben die drei Unternehmen heute im Beisein des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, des Oberbürgermeisters der Lutherstadt Wittenberg, Torsten Zugehör, des Geschäftsführers der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg GmbH, Andreas Reinhardt, sowie Carsten Franzke, dem Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, einem Produzenten von Grundstoffen der Industrie- und der Agrochemie, bekannt. Alle Beteiligten begrüßen das Projekt, genannt „GreenRoot“, zur Unterstützung einer zukunftsfähigen regionalen Entwicklung.
Der Elektrolyseur soll dekarbonisierten Wasserstoff aus Wasser unter Nutzung erneuerbaren Stroms herstellen und eine Kapazität von bis zu 500 Megawatt haben. Der dekarbonisierte Wasserstoff könnte von der lokalen Industrie, wie etwa SKW Piesteritz, genutzt werden, um Erdgas perspektivisch zu ersetzen und so die Nutzung fossiler Energieträger weiter zu reduzieren. Dank einer direkten Anbindung an das Wasserstoffkernnetz könnten mit dem Projekt „GreenRoot“ zukünftig weitere industrielle Abnehmer im mitteldeutschen Chemiedreieck beliefert und diese so auf ihrem Weg zur Defossilisierung unterstützt werden. Zudem werden mit den Stadtwerken Lutherstadt Wittenberg Synergien für die kommunale Wärmewende geprüft.
An dem Vorhaben sind direkt sowohl die VNG AG als auch die Tochtergesellschaft VNG Handel & Vertrieb als Kompetenzträger für die Entwicklung von kundennahen und marktfähigen Konzepten für den Wasserstoffhochlauf beteiligt. Als erfahrener Partner auf der technischen Seite wird das niederländische Unternehmen HyCC zukünftig wertvolles Fachwissen und technische Projektexpertise im Bereich der Elektrolyse einbringen.
Die Partner werden im Jahr 2025 mit der Genehmigungs- und Konsultationsphase des Projekts beginnen und zielen darauf ab, 2026 die finale Investitionsentscheidung zu treffen. Die Anlage soll 2029 in Betrieb gehen.
Ulf Heitmüller, CEO der VNG AG, betont die starke Positionierung des Unternehmens entlang der gesamten Gas-Wertschöpfungskette. Durch die langjährige Erfahrung im Betrieb von Gasinfrastruktur sowie im Vertrieb und Handel von Gas verfüge VNG über wichtige Kompetenzen, um die Transformation hin zu erneuerbaren Gasen erfolgreich zu gestalten. Dabei werde insbesondere Wasserstoff aus erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle für die zukünftige Entwicklung des Energiesystems zugeschrieben.
Vor diesem Hintergrund verfolge VNG gemeinsam mit HyCC das Projekt „GreenRoot“ in Lutherstadt Wittenberg. Das Vorhaben werde als wichtiger Baustein für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft angesehen und füge sich nach Einschätzung des Unternehmens gut in das regionale Umfeld ein. Zudem werde die Unterstützung lokaler Partner als positiver Faktor für die weitere Projektentwicklung bewertet.
Gleichzeitig weist Ulf Heitmüller darauf hin, dass Projekte dieser Größenordnung mit erheblichen Investitionen verbunden seien und langfristig wirtschaftlich tragfähig sein müssten. Für eine erfolgreiche Umsetzung seien daher geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie praxisnahe regulatorische Vorgaben entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette von Bedeutung. Dies könne dazu beitragen, die Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zu wettbewerbsfähigen Kosten zu ermöglichen und gleichzeitig dessen wirtschaftlichen Einsatz bei den Kunden zu fördern.
Michel Gantois, CEO von HyCC, verweist auf die langjährige Erfahrung des Unternehmens mit Elektrolysetechnologien in der chemischen Industrie. Zu den Referenzen zählen Elektrolyseanlagen in Frankfurt am Main und Bitterfeld, die von der europäischen Muttergesellschaft Nobian betrieben werden. Auf Basis dieser Erfahrungen sieht HyCC gute Voraussetzungen dafür, dass Europa und insbesondere Deutschland eine bedeutende Rolle beim Ausbau der Wasserstoffwirtschaft einnehmen können. Vor diesem Hintergrund arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit der VNG AG an der Entwicklung einer moderne Elektrolyseanlage, die die zukunftsfähige industrielle Entwicklung in Mitteldeutschland unterstützen soll.
Konstantin von Oldenburg, Geschäftsführer der VNG Handel & Vertrieb GmbH (VNG H&V), hebt hervor, dass die regionale Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gemeinsam mit Partnern und Kunden vor Ort dazu beitragen soll, den Industriestandort Mitteldeutschland langfristig zu stärken. Darüber hinaus werde das Vorhaben als Beitrag zur Schaffung einer zukunftsfähigen Wertschöpfung in der Region sowie zum Hochlauf des Wasserstoffmarktes angesehen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass hierfür geeignete regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich seien. Aus Sicht des Unternehmens könnten flexiblere Regelungen bei der Definition von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien auf europäischer Ebene sowie eine Weiterentwicklung und Stärkung bestehender Förderinstrumente die Rahmenbedingungen für entsprechende Investitionen verbessern. Darüber hinaus werden eine zukunftsfähige Stabilisierung der THG-Quote sowie langfristig verlässliche Regelungen für den Betrieb von Elektrolyseuren als förderlich für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft betrachtet.
Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, bewertet das Projekt „GreenRoot“ als einen wichtigen Schritt für die zukünftige Entwicklung des Landes. Er verweist darauf, dass Sachsen-Anhalt bereits heute eine bedeutende Rolle bei der Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere im Bereich Photovoltaik und Windenergie, einnimmt. Zudem sieht er Wasserstoff aus erneuerbaren Energien als wichtigen Energieträger der Zukunft, insbesondere für die chemische Industrie. Vor diesem Hintergrund verbindet er mit dem Vorhaben von HyCC und der VNG AG positive Erwartungen und wünscht dem Projekt einen erfolgreichen weiteren Verlauf.
Der Elektrolyseur soll auf dem Gelände des ehemaligen Wasserwerks der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg gegenüber des Agro-Chemie Park Piesteritz entstehen. Der Standort liegt damit in direkter Nachbarschaft zu den SKW Piesteritz, die perspektivisch Wasserstoff aus erneuerbaren Energien im Rahmen ihrer Prozesse einsetzen wollen.